Auf dem Derivate-Markt will die EU-Kommission die Grauzonen beseitigen. In Brüssel äußerte sich dazu der EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy: „Bis Ende des Jahres will ich konkrete Vorschläge haben, wie die Risiken der Kredit-Derivate entschärft werden können.“ Darüber hinaus wolle McCreevy den gesamten Derivate-Markt „systematisch“ untersuchen und gegebenenfalls Konsequenzen aus der Finanzkrise ziehen. Er verlangte, dass alle am Derivate-Geschäft beteiligten Akteure daran mitarbeiten und die Brüsseler Behörde gab an, dass eine entsprechende Aufforderung dazu „sehr bald“ von der Kommission verschickt werde.
Der Zusammenbruch von Lehman Brothers habe gezeigt, dass es einen „sehr dringenden Bedarf“ für eine zentrale Clearing-Stelle für Derivate gebe, so McCreevy weiter. Lehman Brothers sei für Derivate eine wichtige Clearing-Stelle gewesen und habe deshalb andere Banken mit in den Abgrund gezogen. Bedingt durch die Lehman-Pleite seien überhaupt erst weitere beträchtliche Spekulationen mit Kredit-Derivaten entstanden, was neue Risiken mit sich gebracht habe.
Mit dem Kredit-Derivate-Geschäft habe auch der Zusammenbruch der isländischen Banken unmittelbar zu tun. Der EU-Binnenmarktkommissar sagte: „Die Undurchschaubarkeit dieser Produkte führt zu hässlichen Überraschungen, wenn Dinge falsch laufen.“ Über die mit Kredit-Derivaten verbundenen Risiken müssten die Aufsichtsbehörden mehr Überblick bekommen und es stelle sich zudem die Frage, ob nicht mehr Derivate standardisiert werden müssten. Der EU-Kommissar McCreevy bezifferte das Gesamtvolumen des Derivate-Marktes mit 600 Billionen Dollar, wovon die Kredit-Derivate einen Anteil von rund zehn Prozent mit steigender Tendenz ausmachten.
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